Upside-Down-Cake mit Orangen

Upside-Down-Cake mit Orangen, glutenfrei, milchfrei

Mehrere glückliche Zufälle führten zu diesem Kuchen. Zufall 1: Es war Freitag, mein Zuhause-Arbeitstag. Eigentlich wollte ich Texte schreiben, doch nach einer extrem kurzen Nacht (verschnupftes Kleinkind) benahm sich mein Hirn wie eine gelöschte Festplatte. Schreibblockade und akute Aufschieberitis trafen aufeinander, und nachdem ich zum zehnten Mal meine Facebook-Seite gecheckt hatte (yeah, wieder irgendwas Neues in der Timeline, das mich vom Schreiben ablenkt…), beschloss ich, dass Kuchen zu backen sinnvoller wäre, als unmotiviert meinen Vormittag zu versurfen. Zufall 2: In meinem Früchtekorb bettelten fünf Orangen darum, endlich gegessen zu werden. Zufall 3: Nachmittags war ich mit meiner Nachbarin auf einen Kaffee verabredet. Besuch zu haben, und dann nichts anzubieten, ist doch unhöflich, oder? Genau.

Mein Plan war, eine Art Tarte Tatin mit Rührteig zu backen, also karamellisierte Orangen, bedeckt von Kuchenteig, die nach dem Backen gestürzt werden. Die Orangen ließ ich erst in einem Honigsirup köcheln und legte sie dann in eine mit Backpapier ausgelegte Springform. Ich entschied, den Rührteig nur zart mit Vanille zu würzen, um den Orangen die Bühne zu überlassen. Für den Rührteig verwendete ich dieses Maniokmehl, das ich noch von der Produktion für mein Backbuch übrig hatte (eigentlich verwende ich immer das staubfein gemahlene „Kokonte Lafu“-Cassavamehl). Die Konsistenz ist recht grob und erinnert mich mehr an Gari als Mehl. In diesem Rezept passt aber genau das sehr gut: Der Teig bekommt eine recht feste aber trotzdem saftige Konsistenz, die an Grießkuchen erinnert, und bildet einen schönen Kontrast zur weichen Orangenschicht.

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Als ich den Kuchen aus dem Backofen zog und erwartungsvoll auf die Kuchenplatte stürzte, war ich aber ein bisschen enttäuscht. Die Orangen sahen blass und verkocht aus, einige waren verrutscht. Und während ich die Orangenscheiben wieder in Form drapierte, überlegte ich, wie ich die Optik retten könnte (Karamellisierte Mandeln? Pistazien? Kokossahne?). Und dann fiel mir die simpelste Lösung ein: Eine Aprikotage, mein Lieblingskniff aus der französischen Patisserie: Heiße Aprikosenkonfitüre auf das Gebäck zu pinseln, verleiht ihm einen appetitlichen Glanz und schützt gleichzeitig die Oberfläche vor dem Austrocknen. Und nach ein paar Pinselstrichen sah der Kuchen aus wie für eine Zeitschrift hergerichtet  gerettet!

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Und nicht nur hübsch war er  geschmeckt hat er auch noch… meine Nachbarin nahm sich ein Stück für zu Hause mit, und auch der Mann fand ihn lecker. Nur meine Kinder puhlten vor dem Essen die Orangen runter und befanden den Rest für halbwegs akzeptabel.

Ich backe ihn auf jeden Fall noch öfter. Bestimmt schmeckt er auch mit Zitronen- oder Mandarinenscheiben oder vielleicht auch mit Grapefruits…. ich werde es testen, wenn ich mal wieder eine Abwechslung vom Schreibtisch brauche…

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Upside-Down-Cake mit Orangen

Vorbereitung ca. 30 Minuten

Backzeit ca. 50 Minuten bei 180 ° C

Für eine Springform 26 cm

Zutaten:

5-6 kleine Bio-Orangen (drei von meinen waren Blutorangen)

40 g Honig oder Ahornsirup

90 g Gari

60 g gemahlene Mandeln

1 TL Backpulver

1 Prise Salz

4 Eier

90 g Kokosblütenzucker oder Rohrohrzucker

1 TL Vanillextrakt oder 1 Prise gemahlene Vanille

180 g sehr weiches Ghee (Primal: Butter)

60 ml Kokosmilch

2 EL Aprikosenfruchtaufstrich mit möglichst hohem Fruchtanteil

So geht’s:

  1. 4–5 Orangen so dick schälen, dass die weiße Haut entfernt wird (eine Orange aufbewahren). Die Schale kann aber auch bleiben, dann schmeckt der Kuchen ein bisschen bitterer. Orangen in ca. 0,5 cm dicke Scheiben schneiden.
  2. Eine Orange auspressen und 80 ml Saft abmessen. Wenn derSaft nicht reicht, mit Wasser auffüllen. Saft, evtl. Wasser und Honig aufkochen, Hitze runterschalten. Orangenscheiben in den Sirup legen und etwa 5 Minuten sanft köcheln. Die Scheiben sollen ihre Form behalten und nicht auseinanderfallen.
  3. Springform (26 cm) mit Backpapier auslegen. Die Orangenscheiben mit einer Schaumkelle aus dem Sirup heben und auf dem Boden der Springform gleichmäßig verteilen. Den Sirup nochmals aufkochen und reduzieren lassen. Mit einem Löffel auf die Orangenscheiben träufeln. Abkühlen lassen.
  4. Backofen auf 180 ° C vorheizen. Eventuell Ghee in einem Schälchen im Backofen weich werden lassen. Gari, Mandeln, Backpulver, Salz und evtl. gemahlene Vanille in einer Schüssel vermischen.
  5. Eier, Zucker und evtl. Vanilleextrakt schaumig schlagen, sehr weiche Butter zugeben, mit dem Handmixer aufschlagen. Mehlmischung portionsweise und abwechselnd mit der Kokosmilch unterrühren.
  6. Teig auf den Orangen verteilen (vorsichtig, damit die Scheiben nicht verrutschen) und im 180 ° C heißen Backofen ca. 50 Minuten backen, bis der Kuchen leicht gebräunt ist und bei der Stäbchenprobe kein Teig mehr am Stäbchen haftet.
  7. Kuchen aus dem Ofen nehmen und ca. 10 Minuten abkühlen lassen. Tortenplatte auf die Springform legen, beides gut festhalten und am besten über der Spüle mit einer schnellen Handbewegung stürzen.
  8. Backform und Backpapier langsam vom Kuchen abziehen, eventuell verrutschte Orangenscheiben wieder hübsch in Form bringen. 2 EL Aprikosenfruchtaufstrich in einem Kochtopf oder in der Mikrowelle erhitzen und mit einem Silikonpinsel auf den Kuchen streichen.

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Tipp 1: Der Kuchen schmeckt lauwarm und kalt. Idealer Begleiter ist eine Kugel Vanilleeis, oder Bananeneis. Wer Milchprodukte isst, mag dazu vielleicht einen Löffel Schlagsahne.

Tipp 2: Wenn Du noch intensiveren Orangengeschmack magst, kannst Du die Kokosmilch durch Orangensaft ersetzen. Oder Du kannst Orangenblütenwasser anstelle der Vanille, oder zusätzlich zur Vanille nehmen.

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2 comments

  1. Hi, ich hab ne Frage zum Bananen-Vanille-Kuchen aus Deinem Buch. Hier sind 75g Natron angegeben, was den Teig extrem salzig schmecken lässt. Wie ist die tatsächliche Menge? Hab leider den Teig gerade vernichten müssen. Alle anderen Kuchen von Dir, die ich bisher nachgebacken habe – super lecker☺️.

    1. Liebe Heather, es tut mir Leid, dass der Kuchen nichts geworden ist. Leider ist dem Verlag ein Fehler passiert: Es gehört 3/4 TL Natron in den Teig, also etwas weniger als 1 TL. Der nächste Versuch sollte klappen 🙂
      Ich freue mich sehr, dass die anderen Kuchen geschmeckt haben 🙂
      Liebe Grüße, Karine

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