Geliebter Klassiker: Rhabarber-Tarte mit Cashew-Frangipane

Geliebter Klassiker: Rhabarber-Tarte mit Cashew-Frangipane

Dieses Jahr hatte ich Zeit für exakt einen Rhabarber-Kuchen. Eigentlich experimentiere ich gerne und sammle schon Wochen, bevor der erste Rhabarber auf dem Markt auftaucht, Ideen und bastle an Rezepten. Aber dieser eine Rhabarberkuchen sollte einfach nur gut schmecken  also keine Experimente mit ungewissen Umgang. Es war genau der richtige Moment für einen geliebten und bewährten Klassiker. Und mit knusprigem Mürbeteig, samtiger Frangipane und karamellisiertem Rhabarber kann man einfach gar nichts falsch machen! Die Rhabarber-Saison läuft noch ein paar Tage  also ran an den Backofen!

Den ganzen Winter freue ich mich auf Rhabarber. Wenn die ersten pinkfarbenen Stangen auf dem Markt auftauchen, könnte ich vor Freude hüpfen. Denn Rhabarber bedeutet: Die kalte Jahreszeit ist geschafft. Juhu. Ich hasse Winter. Rhabarber bedeutet: Alles wird besser. Alles wird gut. Normalerweise schwelge ich in der Saison. Ich koste die paar Wochen richtig aus. Und stelle sicher, (fast) jedes Wochenende meine Rhabarber-Ration einzunehmen. Am liebsten als unkompliziertes Kompott mit Banane und Erdbeere oder als Kuchen (lecker lecker lecker…).

Tarte gebacken

Aber dieses Jahr war nichts normal. Mein Frühling war rauh, dieses Jahr. Ich habe sehr viel Zeit in Zügen verbracht, in Krankenhäusern, an der Bettkante sitzend. Wartend, hoffend. Entscheidungen vor mir herschiebend. Tröstende Erinnerungen heraufbeschwörend.

Gleichzeitig war zu Hause auch ein Alltag zu bewältigen. Arbeit, Kita, Wäscheberge. Kleine Kinder, die jeden Virus erwischten, der im Umkreis von 10 Kilometern ihren Weg kreuzte.Jeden Abend knobelten der Mann und ich, wer den nächsten Tag zu Hause beim kranken Hasen verbringen würde. Ich fühlte mich wie ein Jongleur, der seine 10 Bälle kaum in der Luft halten kann und trotzdem alle 10 Sekunden einen neuen dazubekommt. Irgendwie blieben meine Bälle halbwegs in der Luft nur einer krachte runter: Der Kochen-Backen-Ball. Keine Zeit. Keine Lust. Keine Energie. Noch nie zuvor war ich so dankbar für unsere Tiefkühltruhe. Im Supermarkt schob ich den Wagen am Rhabarber vorbei, mit einem Tränchen im Augenwinkel. Vielleicht nächste Woche, dachte ich. Vielleicht auch erst nächstes Jahr.

Stücke Closeup

Doch dann tat sich ein Samstag auf, an dem ich unerwartet zarte Lust zu backen spürte. Der Rhabarber hatte mich beim Einkaufen so angelacht. Wenigstens einmal, dachte ich, gab mir einen Ruck und lud ein Kilo schönster Stangen in den Wagen. Ich wusste, das wird mein einziger Rhabarberkuchen dieses Jahr. Ich dachte an all die Ideen, die unter „Unbedingt man ausprobieren“ in meinem Rezepte-Ordner schlummern. Aber ich wählte die Nummer-Sicher: Bewährter Mürbeteig-Boden, geliebte Frangipane-Creme, Zuckerkrümel für eine kleine Karamellkruste. Einfach und gut.

RohTarte

Mittlerweile muss ich meinem geliebten Rhabarber fast schon wieder tschüss sagen. Vielleicht schaffe ich ja nochmal, ein Kompott zu kochen. Der Frühling ist schon längst auf und davon. Ich hoffe, er hat die Jonglierbälle mitgenommen, die Viren und die traurigen Anlässe für Zugreisen. Jetzt ist der Sommer da. Jetzt kommen die Kirschen, die Pfirsiche. Die Aprikosen. Auf die freue ich mich auch. Alles wird gut.

Teller

Rhabarber-Tarte mit Cashew-Frangipane (glutenfrei, milchfrei)

Zubereitung: ca. 40 Minuten + ca. 30 Minuten Kühlzeit + ca. 50 Minuten Backzeit.

Für eine Tarteform 26 cm oder quadratische Tarteform 20 x 25 cm

Zutaten:

Für den Mürbeteig:

100 g gemahlene Mandeln

120 g Cassavamehl

30 g Stärke (z. B. Tapioka, Pfeilwurzelstärke, Süßkartoffel)

1 TL Johannisbrotkernmehl (optional. Da das Gluten fehlt, bröselt der Boden schnell. Das Johannisbrotkernmehl ersetzt den Weizenkleber, der Teig bröselt weniger.)

30 g Kokosblütenzucker

150 g eiskaltes Ghee (oder Butter)

1 Ei

Salz

gemahlene Vanille (optional)

Für die Frangipane:

100 g Cashews

100 g Ghee (Primal: Butter)

60 g Ahornsirup (die Frangipane wird nicht sehr süß. Du kannst mehr Ahornsirup, Kokosblütenzucker oder Rohrohrzucker zugeben.)

2 Eier

30 g Kokosmilch

Salz

gemahlene Vanille

Für das Topping:

Ca. 1 kg Rhabarber

2-3 EL Rohrohrzucker

1 EL Aprikosenkonfitüre (ich verwende Bio-Konfitüre mit Rohrohrzucker und ohne Zitronensäure)

So geht’s:

Für den Teig:

  1. Mandeln, Cassavamehl, Stärke und Johannisbrotkernmehl in eine Schüssel sieben. Zucker untermischen.
  2. Kaltes Ghee in kleine Würfel schneiden und zum Mehl geben. Ei zugeben. Zügig zu einem Teig verkneten (Ich mache das im Thermomix oder mit einem Kochlöffel, weil der Teig ziemlich an den Händen klebt. Teig in eine mit Backpapier ausgelegte Backform umfüllen und gleichmäßig mit den Fingern in die Form pressen, einen Rand hochziehen. Je nach Grad des eigenen Perfektionismus den Boden mit einem Teigroller glätten.
  3. Teig mit einer Gabel gleichmäßig einstechen und in der Gefriertruhe ca. 30 Minuten kühlen. Backofen auf 180 ° C vorheizen und Mürbeteig im heißen Ofen ca. 20 Minuten blindbacken. Aus dem Backofen nehmen und erkalten lassen.

Für den Frangipane:

Im Thermomix:

  1. Die Cashews auf Stufe 10 zu einem feinen Mehl mahlen. Mit einem Kochlöffel das Mehl vom Topfoden lösen, damit sich später beim Mixen  alle Zutaten gut vermischen. Eier, Butter, Zucker, Vanille, etc. auf Stufe 10 ca. 1 Minute glattmixen.

Ohne Thermomix:

Alle Zutaten in eine Schüssel geben und mit dem Pürierstab so lange pürieren, bis eine glatte Masse entstanden ist. Da der Pürierstab nicht so fein püriert, wie der Thermomix, bleiben größere Cashew-Stückchen übrig. Dem Geschmack schadet das nicht – ein bisschen Crunch ist auch lecker 🙂

Backofen auf 180 °C vorheizen. Rhabarber schälen und je nach Wunsch in größere oder kleinere Stücke schneiden.

Vorgebackenen, abgekühlten Tarteboden mit der Frangipane füllen, glatt streichen. Rhabarber in die Frangipane legen, etwas eindrücken. Rhabarber gleichmäßig mit 2-3 EL Rohrohrzucker bestreuen und im heißen Backofen ca. 45 Minuten backen, bis die Frangipane goldbraun aussieht und sich der Rhabarber butterweich mit einer Gabel einstechen lässt. Aprikosenmarmelade im Topf oder Mikrowelle erhitzen, bis sie flüssig ist und mit einem Silikonpinsel auf den heißen Rhabarberkuchen streichen.

 

Tipp:

– Für eine Portion Extraknusper die Tarte vor dem Backen mit Mandelblättchen bestreuen.

– Die Cashews kannst Du durch gemahlene Mandeln oder Haselnüsse ersetzen.

– Der Kuchen schmeckt echt lecker mit einer Kugel Vanilleeis (ein Paleo-Rezept findest Du in meinem Buch.)

Stück angebissen

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