Omas Haselnussplätzchen zu Heiligabend

Omas Haselnussplätzchen mit Umami-Note mit Rinderfett und Ghee

Frohe Weihnachten wünsche ich Dir! Falls Du noch eine kleine Lücke auf dem Plätzchen-Teller hast, empfehle ich Dir diese Kekse mit einer ungewöhnlichen Umami-Zutat. Sie sind inspiriert von einem besonderen Weihnachtsengel: meiner Oma, die heute Geburtstag hat und dieses Jahr zum ersten Mal nicht bei uns ist.

Manche Ereignisse scheint man ganz gut wegzustecken, doch wie die Tage so ins Land ziehen, muss man sich eingestehen, dass sie einen mehr aus der Bahn geworfen haben als für möglich gehalten. Mir ging es so im Sommer, als meine Oma starb.

Sie wollte schon lange nicht mehr leben, und in einer Julinacht, gab ihr Körper endlich nach. Ich höre noch, wie meine Schwester die Tür zu Omas Schlafzimmer aufstößt (dort schlief ich). „Ich höre Oma nicht mehr atmen!“ rief sie. Im dunklen Flur lauschten wir in die Stille. Wir fanden Oma friedlich in ihrem Pflegebett. Keine Rasselatmung mehr.

Mein Hirn schaltete auf Autopilot. Was muss getan werden? Notarzt rufen, Unterlagen zusammensuchen, Bestatter anrufen, Nachbarn verständigen. Was noch? Es fühlte sich so surreal an. Oma ist nicht mehr da. Während wir auf den Bestatter warteten, saß ich auf dem Stuhl an Omas Bettkante und verabschiedete mich still von ihr. Und dankte ihr. Es gibt so vieles, für das ich dankbar bin. Über all den kleinen Dingen, die ich ihr verdanke, steht ihre Liebe, die mich so viele Jahre getragen hat, und zu der sie nicht verpflichtet war. Rechtlich sowieso nicht, moralisch schon gar nicht.

Ich bin nicht ihre leibliche Enkelin. Meine Oma ist der beste Beweis dafür, dass Blut nicht dicker ist als Wasser. Es hat sie nie gekümmert, wessen Kind ich bin. Sie hat uns bedingungslos geliebt. Meine Schwester, mich, später meine Kinder. Ich werde niemals ihr tränenüberströmtes Gesicht vergessen, als ich sie zum ersten Mal mit meiner Baby-Tochter besuchte. Sie hat nie eine Gegenleistung erwartet, im Gegenteil. Erst in den Monaten vor ihrem Tod durften meine Schwester und ich ihr etwas zurückgeben und ihr helfen.

Im Nachhinein betrachtet begann ihr Sterben mit einem Anruf ihres Nachbarn, an einem Sonntagmorgen im März. Die Oma kann nicht mehr. Sie kommt die Treppe nicht mehr hoch, hat die Nacht auf dem Sofa geschlafen. Einige Telefonate später fuhr der Pflegedienst zu ihr, und ich setzte mich in den Zug. Meine Oma war 93. Nicht, dass man mit so etwas nicht rechnet. Aber wenn es kommt, dann ist man doch überfahren. Von heute auf morgen organisierten wir Omas Pflege, Hilfsmittel, ein Bett im Wohnzimmer. Ich ackerte mich durch Gesetze, telefonierte, plante, rannte. Meine Schwester und ich wechselten uns mit den Fahrten zu ihr ab, stets im Spagat zwischen Oma und unseren Alltagsgeschäften zu Hause: Arbeit, Kinder, Partner.

Während mein Opa seine letzten Monate in Demenz verbrachte, erlebte Oma ihre in Klarheit. Sie hatte keine Angst. Sie wollte nur, dass es bald vorbei ist. An einem Freitagmittag im Juli rief mich die Pflegedienstleiterin an: Wenn ich mich von Oma verabschieden wolle, müsse ich schnell kommen. Sie würde kaum das Wochenende überstehen. Neun Tage lebte sie noch. Meine Schwester und ich waren an ihrer Seite. Meine Oma hatte sich immer gewünscht, zu Hause zu sterben. In ihrem Klinkerhäuschen, das sie nach dem Krieg mit meinem Opa auf einem Acker gebaut hatte, und in dem sie über 50 Jahre verwurzelt war. Ich bin unendlich dankbar, dass die Umstände uns erlaubt haben, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Dass sie nicht einsam im Krankenhausbett sterben musste.

Wie Oma gestorben ist, erfüllt mich mit Frieden. Wir waren bei ihr und für sie da. Ich konnte mich in aller Ruhe und innig von ihr verabschieden. Ich wünsche mir, eines Tages, hoffentlich erst in ferner Zukunft, auch so sterben zu können, mit Menschen um mich, die ich liebe und die hoffentlich mich lieben.

Nachdem die Bestatter Oma aus ihrem Haus getragen hatten, fuhren wir zurück nach Hause. Weiter ging’s. Arbeit, Kinder, Wäsche, Einkaufen, Funktionieren. Es gelang mir ganz gut. Bis zum Urlaub, zwei Wochen Italien im September. Das erste Mal in diesem Jahr nichts tun. Kein schlechtes Gewissen, weil immer einer oder etwas zu kurz kam. Einfach Urlaub.

So vieles war auf der Strecke geblieben, von März bis September. Unter anderem auch mein Blog, weil mir neben Kraft schlicht die Zeit fehlte, um zu kochen, fotografieren, schreiben und posten. Die Tiefkühltruhe war unser bester Freund, und Pragmatismus siegte oft über Paleo.

Omas Haselnussplätzchen mit Umami-Note mit Rinderfett und Ghee

Im Urlaub traf es mich mit voller Wucht: Oma ist nicht mehr da. Die vielen „Nie wieder…“-Gedanken erdrückten mich. Zum ersten Mal, als ich mit den Kindern Postkarten kaufte, und die, die ich wie selbstverständlich für Oma ausgesucht hatte, betreten in den Ständer zurückschob. Oder wenn mein Sohn etwas Niedliches sagte und ich dachte: „Das muss ich Oma erzählen.“ Ich begann zu kapieren, was es heißt, Oma ab jetzt wirklich nur noch zu vermissen statt zu besuchen. Und ich vermisse sie sehr. Zu meinen Eltern habe ich kein enges Verhältnis. Sie hat ihre Lücke zu einem großen Teil ausgefüllt.

Ich fühle mich zurückgelassen und auf eine merkwürdige Art nun endgültig erwachsen, obwohl ich das als arbeitende Ehefrau, Mutter und Hauskreditabzahlerin objektiv betrachtet natürlich schon seit Ewigkeiten bin. Meine Oma sagte meiner Schwester und mir stets: „Solange ich lebe, habt Ihr bei mir ein Zuhause.“ Zu ihrem Wort hat sie gestanden. Und nun ist dieses Zuhause weg.

Meine Oma hat mir ein paar Dinge geschenkt, die ich gerne als Erinnerung behalten wollte. Das sperrmüllreife Küchenbüffet aus der Waschküche, das meinem Opa 50 Jahre lang als Werkzeugschrank diente. Ein paar zerkratzte Teller mit verblichenem Blümchenmuster, die ersten, die meine Oma nach dem Krieg kaufen konnte, und aus denen ich als Kind die beste Nudelsuppe der Welt löffeln durfte. Ihren selbstgeknüpften Teppich, auf dem erst ich krabbeln lernte, und Jahre später meinen Kindern dabei zusah. Ich merkte meiner Oma an, wie sehr sie sich darüber freute, als ihre Sachen bei mir einzogen. Ihre vertrauten Dinge geben mir nun Halt füllen mein Zuhause mit Wärme, Kindheitserinnerungen und Familiengeschichten, die ich nun meinen Kindern weitererzähle.

Heute, am Heiligabend, hat meine Oma Geburtstag. Früher, bevor ich selbst eine Familie hatte, verbrachten meine Schwester und ich die Festtage bei ihr. Omas Geburtstag folgte dem immer gleichen Ritual: Am Nachmittag kamen die Nachbarn, um mit Opas selbstgemachtem Kräuterschnaps und Kölsch auf meine Oma anzustoßen. Meine Schwester und ich saßen auf dem Sofa, knabberten Omas Haselnussplätzchen und feixten heimlich über den Klatsch und die rheinischen Kalauer mit denen sich die Nachbarn übertrafen. Heiligabend wird für mich immer Omas Tag sein. Heute backe ich ihre Haselnussplätzchen und zünde eine Kerze für sie an. Und heute Abend werde ich mit meiner Tochter „Herzlichen Glückwunsch Oma“ in den Sternenhimmel rufen, genauso wie für Opa an seinem Geburtstag. Meine Tochter ist ganz sicher, dass sie uns da oben hören wird.

Und dann wird das Leben weitergehen. Silvester besucht uns meine Schwester. Wir werden Omas zerkratzte Blümchenteller aus dem frisch gestrichenen Küchenbüfett nehmen und uns ganz viele Geschichten über Oma und Opa erzählen, die mit „Weißt Du noch…“ beginnen. Und das neue Jahr wird hoffentlich ein fröhliches. Wir haben es uns verdient.

Omas Haselnussplätzchen mit Umami-Note mit Rinderfett und Ghee

Omas Haselnussplätzchen mit Umami-Note

Mit Omas Spritzgebäck bin ich aufgewachsen,  und für mich gehört es zu Weihnachten wie „Sissi“ und „Der kleine Lord“.  Ihr Rezept enthält Margarine und Weizenmehl, weswegen ich vor einigen Jahren begonnen habe, es abzuwandeln. Eine sehr perfekte Variante steht in meinem Buch, was mich aber nicht davon abhält, weiter an dem Rezept zu tüfteln. Dieses Version entstand bei einem spontanen Backnachmittag, als mein Sohn noch zu krank war für die Kita, aber schon wieder fit genug um zu Hause ein Unterhaltungsprogramm einzufordern.

Das Besondere an diesem Rezept: Es enthält Rinderfett. Wenn ich Knochen für Brühe röste, fange ich das austretende Fett in einem Marmeladenglas auf und benutze es zum Kochen. Es verleiht Gemüse eine unwiderstehliche herzhafte Umami-Note. Ich habe es zuvor noch nie in süßen Speisen verwendet, werde aber definitiv damit experimentieren. Die Kekse schmeckten derartig köstlich, dass meine Kinder sie vom Blech wegfuttern wollten wie Butterbrot. Die Plätzchen riechen und schmecken kein bisschen fleischig, aber auf eine interessante Art würzig – eben umami.

Das Rinderfett mischte ich aus reiner Improvisation unter. Ghee reichte nicht mehr für das Rezept, Butter und Kokosöl waren alle. Als ich im Kühlschrank mein frisches Glas Rinderfett sah, fiel mir ein, dass amerikanische Pies auch mit Rinderfett oder Schweineschmalz gebacken werden können. Auch ein schneckenförmiges Gebäck auf Mallorca, das traditionell Schweineschmalz enthält, fiel mir ein.

Wenn Du selbst keine Brühe kochst, kannst Du Rinderfett auch beim Metzger kaufen. Oder Du nimmst ein anderes Fett wie Ghee oder Kokosöl.

Die Kekse brechen leicht, daher lasse sie nach dem Backen unbedingt vollständig auf dem Backblech auskühlen. Wenn Du stabilere Kekse möchtest, kannst Du einen halben TL Johannisbrotkernmehl oder 1 TL gemahlene Chia-Samen unter die trockenen Zutaten mischen.

Ich empfehle, den Teig in Frischhaltefolie gewickelt zur Rolle zu formen und entweder im Kühlschrank oder Gefrierschrank gut durchkühlen zu lassen. Dann schneidest Du die Rolle mit einem angefeuchteten, scharfen Messer in Scheiben. Zum Ausrollen und Ausstechen ist der Teig nicht so gut geeignet.

Omas Haselnussplätzchen mit Umami-Note

180 g Haselnüsse

20 g Kakao

1 gute Prise Salz

1 Messerspitze Zimt (nach Belieben)

1 Messerspitze gemahlene Vanille

1 Prise Zimt

50 g Vollrohrzucker

2 kaltes Eigelb

40 g kaltes Rinderfett

20 g kaltes Ghee

 

Und so geht’s:

  1. Gemahlene Haselnüsse, Kakao, Salz, Zimt und Zucker gründlich mischen.
  2. Eigelb, Ghee und Rinderfett zugeben, zügig zu einem Teig verkneten. (Ich gebe alle Zutaten in den Thermomix und mixe ca. 30 Sek. /Stufe 8.
  3. Teig auf Frischhaltefolie zur Rolle formen und im Kühlschrank oder TK einfrieren.
  4. Backblech mit Backpapier auslegen, Backofen auf 170 ° C vorheizen.
  5. Teigrolle mit einem scharfen Messer in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden, Scheiben auf’s Backblech legen. (Hier habe ich aus Zeitmangel auf’s Kühlen verzichtet und den Teig mit einem Markonenlöffel geformt.)
  6. Teig ca. 14 Minuten bei 170 ° C backen.
  7. Plätzchen auf dem Backblech auskühlen lassen, erst völlig erkaltet vom Blech nehmen.

Tipp:

–       Frisch abgeriebene Orangenschale im Teig geht immer!

–       70 g Kuvertüre (70 % Kakao) im Wasserbad schmelzen und Kekse damit bestreichen.

–       Allergisch gegen Nüsse? Statt der Haselnüsse: 120 g Erdmandeln und 60 g Kastanienmehl verwenden.

2 comments

  1. Hallo Karine,
    hast du zufällig ein Rezept für ein Paleo Osterlamm?
    Liebe Grüße, Laura

    1. Hallo Laura,
      ich gebe zu: ich habe noch nie ein Osterlamm gebacken! Daher habe ich auch leider kein Rezept dafür auf meinem Blog.
      Wollte ich eins backen, dann würde ich mir erstmal „normale“ Osterlamm-Rezepte anschauen. Ich vermute, dass die meisten Osterlämmer aus Rührteig gebacken werden. Du könntest versuchen, einen Paleo-Rührteig zu verwenden. Auf dem Blog hätte ich folgende Rezepte:
      http://leckerpaleo.de/sommerlicher-lavendel-zitronenkuchen und
      http://leckerpaleo.de/upside-down-cake-mit-orangen.
      Falls Du mein Backbuch besitzt, könntest Du den Schoko-Süßkartoffelkuchen oder Omas Apfelkuchen ausprobieren.
      Viel Erfolg und liebe Grüße
      Karine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.